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Veteranen-Coins – Der helle Wahnsinn, Dank Café Viereck!

Ich hatte da im Januar eine Idee… Und einen wunderbaren „Partner in Crime“ an meiner Seite: Catherina von Café Viereck, mit der ich schon die eine oder andere Aktion wie z.B. Vergissmeinnicht-Patches erdacht hatte, um so etwas zu erschaffen, wo evtl. Interesse dran sein könnte und gleichzeitig Spenden für den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. zu erzielen. Schon bei den Patches wurden alle Erwartungen übertroffen.

Nun also die neue Idee… Mir kam es in den Kopf, dass Coins bei Soldaten ja recht beliebt sind und dass ich bislang noch keinen für #EinsatzVeteranen wahrgenommen habe. Also schrieb ich so mit der lieben Cathi und malte einfach was auf…

Die erste Skizze…

Diese Skizze war das, was ich mal eben so unter Einsatz meiner maximalen Malkünste zustande brachte. Aber Cathi wusste genau, was ich wollte und bastelte eine erste ordentliche Graphik daraus:

Erster Entwurf der Vorderseite anhand der Skizze. Idee mit „V“ in der Mitte und dem Hashtag gefiel mir dann aber nicht, weswegen wir diese verwarfen.
Untalentierte Handmalerei von mir + Cathis professionelle Arbeit nach Verwerfen der Idee mit „V“ und Hashtag = erste ordentliche Darstellung!

Da ich im März / April leicht andere Gedanken hatte aufgrund eines anstehenden Familienstatuswechsels, haben Cathi und ich dann etwas Tempo rausgenommen, aber trotzdem weitergearbeitet, sodass dann Anfang April folgende Vorabansicht in mein Emailpostfach flatterte:

Vorabansichten, auf deren Basis dann die Freigabe erteilt wurde.

Ich erteilte also Anfang April die Freigabe zur Produktion und bestellte vorsichtig erstmal 100 Coins, da ich nicht ansatzweise wusste, ob überhaupt Interesse besteht oder ob ich dann am Ende drauf sitzen bliebe.

Irgendwann Ende April schickte mir die liebe Cathi dann eine Sprachnachricht, dass die Coins fertig seien und „Hammer geil“ aussähen. Mein Trauzeuge Marcel habe die wohl schon im Café Viereck-Hauptquartier gesehen, ich müsste mich allerdings noch gedulden. Na toll! Ich und Geduld, aber was sollte ich machen? Richtig: Nichts! Also fieberte ich dem Posteingang entgegen und war dann aus dem Häuschen, als endlich das Päckchen von Cathi bei mir eintrudelte. Und sie hatte Recht: Die Coins sind der Hammer:

Erster Anblick der Veteranencoins.

Ich brauchte dann noch ein paar Tage, um logistisch alles vorzubereiten: Shop einrichten, Umschläge besorgen etc. Doch dann konnte es losgehen: Am 11. Mai gegen 15:25 Uhr gingen die 100 Coins in den Verkauf. Was danach passierte hätte ich mir nie ausgemalt: Mein Handy vibrierte fast durchgehend aufgrund der Zahlungseingänge via Paypal und um 18:35 Uhr waren die ersten 100 Coins dann ausverkauft! Nur knapp über drei Stunden!!! Ja, da ging mir ein leises #WTF durch den Kopf. Und es tickerten sowohl bei meinen Admins auf Facebook, über mein privates Profil, die Seite des BDV, Cathis Shop-Facebook-Seite und Instagram als auch auf meinem privaten Instagram reihenweise Nachrichten und Kommentare rein, die tatsächlich bis hin zu absoluter Bestürztheit reichten: Es gab offensichtlich noch mehr Interessierte!

Die Coins in voller Pracht und im Rudel. 😉

Was macht man da? Richtig: Die liebe Cathi anschreiben und nachordern. Dieses Mal 200 Stück… „Wird ja wohl reichen!“, dachte ich mir so in meinem „jugendlichen“ Leichtsinn. Als Termin nannte Cathi mir den 01.06., sodass ich dann mit den 200 Coins am 29. Mai Online ging. Gut, ich war am 28.05. schon mit einer kleinen „Family & Friends“-Vorzugsinformation unterwegs, aber so richtig in den Verkauf mit großer info auf den Kanälen ging es dann einen Tag später. Und was soll ich sagen? Am 30. Mai, Christi Himmelfahrt, gegen 19:00 Uhr waren wieder 200 Coins weg! Der Wahnsinn!!! Und auch dieses mal klingelten nur so die Nachrichten rein, die eine weitere Auflage wünschten…

200 Coins wollen eingepackt, sortiert und versandfertig gemacht werden…

Also schlossen sich Cathi und ich kurz und veranlassten gleich die nächste Rutsche, die allerdings noch etwas in der Produktion braucht. Nichtsdestotrotz habe ich mich entschieden, diese Coins bereits im Vorverkauf zu haben, um einerseits nicht wieder so einen „run“ auszulösen und andererseits auch zu schauen, wenn mehr als die bestellten 200 Stück nachgefragt werden, ob wir die Produktionsmenge gleich erhöhen können: Irgendwann sinkt ja doch die Nachfrage – vielleicht – und ich möchte hinterher nicht auf hunderten Coins sitzen.

Treu gedient – Treue verdient! Ich vergesse meine Kameradinnen und Kameraden nicht!

So lange es aber eine Nachfrage gibt, werde ich dieses Projekt aufrecht erhalten und mit dem Coin-Verkauf Spenden für den BDV generieren. Dieser Verein ist mir nicht nur eine Herzensangelegenheit (sonst würde ich nicht so viel Energie und Zeit investieren – nicht nur für die Vorstandsmitarbeit), sondern betreibt auch ein auf EHRENAMT basierendes Netzwerk als Fallmanagern, die sich um EinsatzVeteranen kümmern. Deshalb möchte ich hier neben dem oben schon platzierten Link zur Spendenseite auch noch zwei weitere kundtun: Bei Spreadshirt gibt es einen extra Shop mit Motiven des BDV und über die Partner von Helpshop kann man Online wunderbar shoppen und parallel dazu etwas Gutes tun! Aber auch bei Amazon-Smile könnt Ihr den als Spendenempfänger auswählen, ebenso wie beim Facebook-Spendentool könnt Ihr zu Eurem Geburtstag oder welchem Anlass auch immer zum Spenden aufrufen!

*** AUSVERKAUFT *** #Sonderedition, #limitiert auf 112 Exemplare

Wow, das ging mit einem Schlag schnell! Alle 112 Exemplare sind verkauft und versandt. Das letzte Exemplar wurde am 10.12.2018 persönlich an den Parlamentarischen Staatssekretär im BMVg, Dr. Peter Tauber übergeben.

Sobald die Endabrechnung vorgenommen wurde, wird diese transparent veröffentlicht und der Spendenbetrag an den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. überwiesen!

Ostern – seit 2010 nicht mehr wie es mal war

Ostersonntag 2018 in Deutschland: Der Himmel wolkenverhangen und grau. Meine Gedanken kreisen, überstürzen sich – und driften ab.

Plötzlich ist es sonnig, geschätzt 30 Grad – ich bin zurück in 2010. Ich schaue an mir hinab: Wüstentarnuniform, meine Hände halten Trommelstöcke. Mit einer absurden Konstruktion aus der Instandsetzung in Mazar-e Sharif haben wir am Karfreitag eine Tragekonstruktion für eine Tom unseres Bandschlagzeugs gebaut. Genau diese Tom hängt jetzt um meinem Hals, die Trommel auf Hüfthöhe. Auf der Tom haben wir mit Filz Stellen beklebt, um einen dumpfen Ton erzeugen zu können. Von der Rede des Minister Niebel sowie General Leidenberger bekomme ich nichts mit. Stattdessen schweift mein Blick über die Formation der angetretenen Soldaten und in meinem Kopf kreist alles um den Gedanken, dass ich gleich bloß keinen Fehler machen darf. Das darf nicht passieren!

Plötzlich Bewegung. Die Formation löst sich auf. „Habe ich was verpasst?“ Nein, die Kameraden begeben sich zur Aufstellung des Spaliers. Die drei Transportpanzer FUCHS begeben sich in Formation, eingerahmt von Kameraden aus Seedorf, die die Ehrenwache stellen, ein Bild des Gefallenen Kameraden sowie die Orden präsentierend. Dahinter werde ich platziert. 3 Meter hinter dem letzten Kameraden stehe nun also ich: Oberleutnant zur See Schreiber, „bewaffnet“ mit einer notdürftig gebauten Trauertrommel – aus einem Bandschlagzeug! Die Absurdität dieses Bildes führt zu einem paradoxen Gefühl lachen zu wollen. Aber das geht nicht. Wieder Bewegung! Die Füchse rollen an. „Die Fallschirmjäger werden Dich verfluchen, wenn Du es jetzt versaust!“ Jeder Muskel spannt sich an und ich kann jede Muskelfaser spüren, die mein linkes Bein zum ersten Schritt bringen sollen. BUMM – der erste Trommelschlag trifft das Filz. Rechter Fuß – Linker Fuß – BUMM! Die ersten Schritte sind gemacht. Mein Blick richtet sich vorwärts. BUMM! Ein Sarg ragt aus dem TPz, bedeckt mit unserer Bundesdienstflagge. BUMM! Wir passieren die ersten Kameraden im Spalier. BUMM! Blick in die Gesichter – allen steht die Trauer in den Augen. BUMM! Unsere Blicke treffen sich und auch mir steigen Tränen in die Augen. BUMM! Zeit für Gedanken habe ich nicht. BUMM! Blick auf die Trommel: Konzentration, nicht daneben schlagen! BUMM! Warum die Panzer plötzlich sehen bleiben erklärt sich nicht auf den ersten Blick. BUMM! Verdammt, wir stehen doch. Nicht mehr trommeln! Das Zeitgefühl habe ich wohl verloren, das Gefühl für die Strecke auch, obwohl wir sie gestern noch abgelaufen sind. Wir sind am Heli-Pad, wo die CH53 stehen, mit denen gleich die Kameraden sowie sämtliche VIPs und auch ich nach Termez fliegen werden.

Die TPz stellen sich nebeneinander auf. Ich fühle mich etwas verloren und werde platziert. Mit wird jetzt erst die ganze Medien-Entourage bewusst. Dann überkommt mich die Angst: Am Samstag Morgen hieß es noch, dass nur durch das Spalier getrommelt werden soll. Nach unserer Ankunft in Kunduz aber haben der Stabsfeldwebel (er hat den Guten Kameraden auf seiner Trompete gespielt) und ich uns weitere Infos eingeholt: Es wird auch erwartet, dass ich gleich den Trommelwirbel schlage, wenn die Särge aus den TPz in die CH53 getragen werden! Also hat der Staber am Abend versucht, mir noch das Wirbeln beizubringen. Versagensangst steigt in mir hoch! Ich will doch nichts falsch machen – nicht die würdige Zeremonie versauen! Ich fühle mich hilflos. Dann geht es los. Die Sargträger gehen zu den Särgen und greifen zu. Blick auf die Trommel – jetzt bloß nicht die Filzstreifen treffen! Gestern Abend haben wir noch einen Streifen wieder abgezogen, weil der Wirbel anders klingen muss. Ich hebe die Trommelstöcke und fange an: RRRRRRRRRRRRRRR klingt es. „Soll so ein Wirbel klingen?“ Ich schaue in die Reihen der Fallschrimjäger, die wohl hinter mir hergegangen sind und alle einen schwarzen Trauerflor tragen. RRRRRRRRRRRRRRR! Sie halten sich in den Armen, viele weinen, allen sieht man den Schmerz an. RRRRRRRRRRRRRRR! Was muss in ihren Köpfen abgehen? Ich sehe Herrn General Leidenberger. RRRRRRRRRRRRRRR! Auch ihm sieht man an, dass es ihm nahe geht: Gehörten die Jungs doch zu seiner Brigade. RRRRRRRRRRRRRRR! Keiner schaut mich böse an. Erleichterung. RRRRRRRRRRRRRRR! Der erste Sarg verschwindet im Helikopter. RRRRRRRRRRRRRRR! Als der letzte Sarg verschwindet, bekommt die Trommel einen letzten etwas härteren Schlag – BUMM! Ruhe! Die Fallschirmjäger – ihnen allen sieht man an, dass sie starke Jungs sind – lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Ich möchte zu ihnen gehen, sie einfach trösten. Aber ich gehöre nicht zu ihrer Kompanie und weiß nicht, wie sie reagieren würden. Jeder geht mit seiner Trauer anders um. Und diese Einheit ist seit Freitag noch enger zusammengewachsen als sie es vorher schon war. Also stehe ich hier – tatenlos und hilflos. Langsam kommt Bewegung in die Masse. Herr Minister Niebel und seine Delegation werden zu einem Heli begleitet und auch die Gruppe um General Leidenberger, zu der ich seit gestern gehöre, bewegt sich langsam. Ein junger Oberleutnant steht relativ vereinzelt aber mit deutlicher Nähe zur Fallschirmjägerkompanie. Vielleicht ein Zugführer, der stellvertretende Kompaniechef oder Kompanieeinsatzoffizier. Ich nehme mir ein Herz: Unter Offizieren ist – eigentlich total absurd in so einer Situation – die Nähe eher da. Ich gehe zu ihm hin und finde kaum Worte. „Mein herzliches Beileid, Kamerad!“ Es klingt trocken, formell und fast schon lächerlich. Toll, selbst das bekomme ich nicht hin. Der Oberleutnant aber nimmt mich in den Arm und ich sehe Tränen in seinen Augen: „Danke!“ Ein Wort – und doch soviel, was da zwischenmenschlich zwischen uns geschieht. Dann ist es Zeit: Ab in den Heli, Platz nehmen, Helm auf. Die Trommel zwischen meinen Füßen hebt der Heli ab. Wie unwirklich die Bilder sind, wenn ich so aus der offenen Heckklappe am Heck-Gunner vorbeischaue. Schönes Land Afghanistan – Du hast am Freitag drei jungen Männern das Leben genommen! Weiteren schwere Verwundungen. Du hast Kindern den Vater, Frauen den Ehemann oder Lebensgefährten, Eltern ihr Kind genommen!

Landung – Termez. Wir müssen aussteigen. Die Särge werden aus den Helikoptern in die Regierungsmaschine von Minister Niebel gebracht. Ich erfahre, dass ich dabei nicht trommeln muss. Es ist als ob das ganze Marmalgebirge von mir abfällt. Und dann geschieht es: Mir kommen die Tränen. Ich kann gar nicht anders. Die ganze Anspannung ist weg und ich heule. Der Stabsfeldwebel steht neben mir und nimmt mich einfach in den Arm. Danke! Ich kann nicht reden, aber ich fühle mich geborgen. Ich bin 28 und heule, weil drei meiner Kameraden seit Freitag nicht mehr unter uns sind!

Zwei Arme um mir. Eine Umarmung und ich sitze am Kaffeetisch. Ostersonntag 2018 – meine Frau holt mich aus meinen Gedanken und Erinnerungen. Danke, ich liebe Dich!

Ostern wird nie mehr das sein, was es vor 2010 war.

*** Helm ab zum Gebet! ***Karfreitag 2010: Bei einem stundenlang andauernden Gefecht in der Ortschaft Isa Khel,…

Gepostet von Der Unsichtbare Veteran am Dienstag, 27. März 2018

Es geht los!